Im Finanz- und Aktienkontext ist Round Tripping ein Begriff für Transaktionen, die im Kreis verlaufen. Vereinfacht gesagt: Geld oder Vermögenswerte werden von einer Partei zur anderen geschoben und kommen über Umwege wieder zum Ursprung zurück, ohne dass dabei ein echter wirtschaftlicher Mehrwert entstanden ist.
An der Börse und in der Unternehmenswelt hat dies meist einen faden Beigeschmack und dient oft dazu, Bilanzen künstlich „aufzuhübschen“.
Die drei häufigsten Formen des Round Tripping
Es gibt verschiedene Szenarien, in denen diese Taktik angewendet wird:
1. Umsatz-Aufblähung (Accounting Fraud)
Das ist die gefährlichste Form für dich als Aktionär. Zwei Unternehmen (A und B) verkaufen sich gegenseitig Vermögenswerte oder Dienstleistungen zum exakt gleichen Preis.
- Der Vorgang: Unternehmen A „verkauft“ Software-Lizenzen für 10 Mio. € an Unternehmen B. Gleichzeitig kauft Unternehmen A „Beratungsleistungen“ für 10 Mio. € von Unternehmen B.
- Das Ergebnis: In der Gewinn-und-Verlust-Rechnung (GuV) können beide Firmen 10 Mio. € zusätzlichen Umsatz ausweisen. Wirtschaftlich hat sich jedoch nichts verändert – das Geld ist nur einmal im Kreis geflossen.
2. Marktmanipulation (Wash Trading)
Hierbei geht es nicht um den Umsatz des Unternehmens, sondern um das Handelsvolumen einer Aktie.
- Ein Anleger (oder eine Gruppe) kauft und verkauft dieselbe Aktie fast zeitgleich über verschiedene Depots.
- Dies täuscht ein hohes Interesse und Liquidität vor, um andere Anleger in die Aktie zu locken. Dies ist illegal.
3. Steuer- und Investitions-Round-Tripping
Häufig in Schwellenländern zu beobachten: Inländisches Kapital wird erst ins Ausland (z. B. in eine Steueroase) transferiert und kommt dann als „ausländische Direktinvestition“ (FDI) zurück ins Heimatland.
- Ziel: Oft werden so Steuervorteile für ausländische Investoren erschlichen oder Schwarzgeld gewaschen.
Warum ist das für dich als Anleger gefährlich?
Round Tripping ist ein massives Warnsignal (Red Flag). Wenn ein Unternehmen zu solchen Mitteln greift, deutet das meist auf tiefere Probleme hin:
- Künstliches Wachstum: Das Unternehmen kann organisch nicht mehr wachsen und versucht, die Erwartungen der Analysten durch Luftbuchungen zu erfüllen.
- Mangelnde Transparenz: Es wird für Außenstehende fast unmöglich, die echte Rentabilität des Geschäftsmodells zu bewerten.
- Rechtliche Konsequenzen: Sobald Aufsichtsbehörden (wie die BaFin oder die SEC) Round Tripping entdecken, drohen hohe Strafen, Bilanzberichtigungen und oft ein massiver Kurseinbruch.
Bekanntes Beispiel: In der Dotcom-Blase nutzten viele Internetfirmen Round Tripping, um sich gegenseitig Werbeflächen zu verkaufen und so die Nutzerzahlen und Umsätze künstlich in die Höhe zu treiben, bevor alles zusammenbrach.
Worauf solltest du achten?
Achte in den Geschäftsberichten auf:
- Ungewöhnlich hohe Forderungen aus Lieferungen und Leistungen im Vergleich zum Umsatz.
- Geschäfte mit „nahestehenden Unternehmen oder Personen“ (Related Party Transactions).
- Ein stark steigender Umsatz, während der operative Cashflow stagniert oder sinkt (denn beim Round Tripping fließt am Ende kein „echtes“ neues Geld zu).
