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Umsatz-Aufblähung (Revenue Inflation) – AktienLAB.de
Kapitalanlage-Lexikon

Umsatz-Aufblähung (Revenue Inflation)

Unter Umsatz-Aufblähung (Revenue Inflation) versteht man verschiedene betrügerische Praktiken, mit denen ein Unternehmen seine Verkaufszahlen in der Bilanz künstlich höher darstellt, als sie tatsächlich sind.

Für Aktionäre ist dies die gefährlichste Form des Bilanzbetrugs, da sie ein Wachstum vorgaukelt, das operativ nicht existiert. Wenn die Blase platzt, folgt meist ein totaler Kursabsturz.


1. Die gängigsten Methoden der „kreativen“ Buchführung

Unternehmen nutzen verschiedene Tricks, um den Umsatz auf dem Papier nach oben zu schrauben:

MethodeFunktionsweise
Channel StuffingDas Unternehmen presst kurz vor Quartalsende massenhaft Waren in die Vertriebskanäle (Händler), die diese gar nicht bestellt haben oder zurückgeben können.
Bill-and-HoldDem Kunden wird eine Rechnung gestellt (Umsatz verbucht), aber die Ware bleibt im Lager des Herstellers. Rechtlich ist der Verkauf oft noch gar nicht abgeschlossen.
Vorzeitige ErfassungUmsätze für Verträge, die über Jahre laufen, werden sofort im ersten Quartal komplett verbucht, anstatt sie zeitanteilig zu verteilen.
ScheingeschäfteEs werden Rechnungen an Briefkastenfirmen oder verbundene Unternehmen gestellt, für die nie eine echte Leistung erbracht wurde (klassischer Betrug).
Round TrippingWie bereits besprochen: Geld fließt im Kreis, um auf beiden Seiten künstlich Umsatz zu generieren.

2. Das Warnsignal: Die Schere zwischen Umsatz und Cashflow

Der wichtigste Indikator für Umsatz-Aufblähung ist die Divergenz zwischen dem gemeldeten Umsatz und dem operativen Cashflow.

Die goldene Regel: Umsatz ist eine Meinung, Cash ist eine Tatsache.

Wenn ein Unternehmen echte Produkte verkauft, muss irgendwann echtes Geld auf das Bankkonto fließen. Bei der Umsatz-Aufblähung steigen die Umsätze in der Gewinn-und-Verlust-Rechnung (GuV) steil an, aber das Geld kommt nie im Unternehmen an.


3. Worauf du als Investor achten musst (Red Flags)

Wenn du eine Aktie analysierst, sollten bei diesen Anzeichen die Alarmglocken schrillen:

  • Explodierende Forderungen (Accounts Receivable): In der Bilanz stehen enorme Summen, die Kunden dem Unternehmen angeblich schulden, aber die Zahlungen bleiben über Monate aus.
  • DSO (Days Sales Outstanding) steigt: Die Kennzahl, die angibt, wie lange es dauert, bis ein Kunde seine Rechnung bezahlt, wird immer länger.
  • Häufige Änderungen der Bilanzierungsmethoden: Das Unternehmen wechselt plötzlich die Art und Weise, wie es Umsätze erkennt, um „flexibler“ zu sein.
  • Wachstum gegen den Trend: Das Unternehmen meldet Rekordumsätze, während alle Wettbewerber in derselben Branche über eine schwere Krise klagen.

Berühmte Beispiele aus der Geschichte

  • Wirecard: Hier wurden Milliardenumsätze aus dem Drittpartnergeschäft in Asien erfunden, die auf Treuhandkonten existieren sollten, aber nie vorhanden waren.
  • Enron: Nutzte hochkomplexe Zweckgesellschaften, um Schulden zu verstecken und zukünftige (erwartete!) Gewinne sofort als aktuellen Umsatz zu verbuchen.
  • Luckin Coffee: Erfand einfach Verkaufsbelege im Wert von hunderten Millionen Dollar, um ein explosives Wachstum gegenüber Starbucks vorzutäuschen.

Fazit für dein Depot

Umsatz-Aufblähung ist schwer zu entdecken, weil sie oft tief in den Fußnoten des Geschäftsberichts versteckt ist. Der beste Schutz für dich ist ein Blick auf die Cashflow-Rechnung. Ein Unternehmen, das “Gewinne” macht, aber seit Jahren einen negativen operativen Cashflow hat, ist ein extrem riskantes Investment.

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Bitte beachten Sie, dass diese Informationen keine Anlageberatung darstellen. Es ist wichtig, dass Sie Ihre eigenen Recherchen durchführen und sich von einem qualifizierten Anlageberater beraten lassen, bevor Sie Anlageentscheidungen treffen.

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